Intifada in Hamburg
Erklärung zu den Vorfällen auf der Antifa-Demo am
31.1.04 in Hamburg
„ Eine Welt, in der es keinen Platz für Juden gibt, hat keinen Platz für
die Differenz; und eine Welt, der der
Platz für Differenz fehlt, hat auch keinen Platz für Humanität. Das ist
der Grund, warum Antisemitismus nicht
ein, sondern das crime against humanity ist.“
(Jonathan Sacks, britischer Oberrabbiner)
Vorab möchten wir betonen, dass wir diese Stellungnahme nicht als konstruktiven
Debattenbeitrag verstehen,
um über die Geschehnisse des 31.1.04 zu diskutieren, da wir denken, dass
das, was in Hamburg geschehen ist,
zum einen nicht diskutierbar ist, und wir zum anderen anzweifeln, ob eine
Diskussion mit dem volksautonomen
Mob auf irgendeine Weise befriedigend verlaufen könnte. Diese Vorfälle
haben uns wieder einmal gezeigt, dass
das, was sich ‚deutsche Linke’ nennt, in nicht unwesentlichen Teilen nichts
anderes als ein
emanzipationsfeindlicher und Israel-hassender Haufen ist, mit dem die Aufhebung
der herrschenden
Verhältnisse im Sinne des Kommunismus nicht zu machen ist.
Bereits im Vorfeld der Demo wurde immer wieder auch aus Kreisen die sich
an der Demo-Vorbereitung
Beteiligten kolportiert, dass Leute, die sich solidarisch mit Israel zeigen
und dieser Solidarität praktischen
Ausdruck verleihen, indem sie die Fahne des Staates Israel zeigen, aus
der Demo geprügelt würden.
Dies wurde dann auch praktisch am 31.1. auf der Strasse umgesetzt, als
sich ca. 50 GenossInnen, unter
anderem mit Israel-Fahnen, in die Demo einreihen wollten und sofort angegriffen
wurden. Zuerst wurde das
Transpi der KP-Berlin („Deutschland denken heißt Auschwitz denken - Für
den Kommunismus“) den GenossInnen
entrissen. Danach machte der zum Teil vermummte Mob Jagd auf Israel-Fahnen.
Diese wurden den
TrägerInnen unter Schlägen und Tritten entrissen und teilweise versucht
anzuzünden. Das Transpi der AA/NO
(„Solidarität mit Israel - Für den Kommunismus“) wurde mindestens einmal
gezielt mit Leuchtspurmunition
beschossen. Als wenn das nicht schon genug wäre, wurden diese Angreifer
von einer Vielzahl von
DemoteilnehmerInnen mit Rufen wie „Intifada bis zum Sieg“, „Sharon ist
ein Faschist“ und „USA - internationale
Völkermordzentrale“ angefeuert. Doch nicht nur die Israel-Fahne war das
Ziel des linksdeutschen Volkszorns,
auch eine USA- und eine GB-Fahne wurden Ziel der Aggression: Auf einer
Antifa-Demo in Hamburg werden
also die Fahnen jener Staaten bespuckt, die dem völkischen Vernichtungswahn
ein Ende setzten und Europa
vom Nationalsozialismus befreiten und die jeweiligen TrägerInnen werden
tätlich angegriffen.
Die Polizei, die dem Treiben einige Minuten lang zusah, griff dann doch
ein, allerdings waren nicht die Schläger
ihr Ziel, sondern die Israel-solidarischen Antifas. Drei GenossInnen wurden
verhaftet und waren stundenlang im
Knast. Die Schläger konnten unbehelligt in der Demo weiterlaufen. Die Arbeitsteilung
der Volksgemeinschaft war
perfekt; erst prügeln die Anti-Imps auf diejenigen Antifas ein, die sich
solidarisch mit Israel zeigen und dann
werden selbige auch noch verhaftet, weil sie sich verteidigen.
„Das antiimperialistische Weltbild macht keine Fehler, es ist der Fehler.“
(Thomas Haury)
Die Tatsache, dass auf einer sich ‚antifaschistisch’ nennenden Demonstration
Antifas angegriffen werden, die
sich mit dem Staat der Überlebenden des deutschen Vernichtungswahns solidarisieren,
und die Tatsache, dass
die Nazis, wenn sie gekonnt hätten, genauso auf die Israelfahnen reagiert
hätten, zeigt uns einmal mehr, dass
diese Linke und ihr simulierter Antagonismus gegen - wie sie es immer so
inhaltslos und abstrakt ausdrücken -
„Staat, Nation und Kapital“ genau an dem Ort endet den er in Wirklichkeit
nie verlassen hat : In der
Volksgemeinschaft.
Es bot sich ein Bild von einer Linken, in deren Milieu sich Ideologien
heimisch fühlen, die von metropolitaner
Revolutionsromantik und nationalistischen Bedürfnissen, von völkischen
Sehnsüchten und antisemitischen
Denkformen geprägt sind.
Die theoriefeindlichen GegnerInnen der Vernunft erkennen nicht, dass das
antiimperialistische Weltbild nicht nur
mit einigen „Fehlern“ behaftet ist. In seiner vereinfachten Sicht von Herrschaft
als Fremdherrschaft und
Ausbeutung als fremde Machenschaft, in seinem binären Denken, das unter
Verlust des Realitätsbezuges das
Weltgeschehen klar in ‚gut’ und ‚böse’ sortiert, in seinem Willen, den
Kampf um nationale Unabhängigkeit als
Revolution mißzuverstehen und der daraus resultierenden Identifizierung
mit dem Volk und dessen
Gleichschaltung mit dem ‚guten Volksstaat’, schließlich in seiner Tendenz,
Politik und Ökonomie zu
personalisieren, weist das antiimperialistische Weltbild zahlreiche strukturelle
Affinitäten mit antisemitischen
Weltbildern auf.
Wir werden uns von diesen Vorfällen nicht einschüchtern lassen und weiterhin
Antisemitismus und
Antizionismus, ob nun Linkem oder Rechtem, offensiv entgegentreten und
zu jeder Gelegenheit der deutschen
Volksgemeinschaft die Fahne jenen Staates entgegenhalten die sie so in
Rage bringt: Israel.
This is not the end...
Von dem Demo-Bündnis fordern wir eine Stellungnahme zu den Vorfällen. Das
Bündnis wusste anscheinend sehr
genau, mit wem es da demonstrierte; anders können wir die Aussage eines
Menschen aus der Demo-
Vorbereitung am Sonntagmorgen auf FSK nicht werten, in der es hieß, dass
ein generelles Nationalfahnen-
Verbot ausgesprochen wurde, und wenn Israel Fahnen erlaubt gewesen wären,
andere Gruppen ( z.T. wohl
auch aus der Vorbereitung) ihre Palästina- und Irak-Fahnen mitgenommen
hätten. Zu diesen Ausfällen müßt ihr
euch äußern, auch wenn der Mann auf FSK sagte, dass ihr euch aus dem Konflikt
raushalten wollt. Auch zu der
Tatsache, dass die Leute, die jene antisemitischen und antiamerikanischen
Parolen riefen, nicht aus der Demo
rausgeflogen sind, müsst ihr euch äußern. Ihr könnt euch nicht mehr raushalten.
Weiterhin fordern wir die Schleswig-Holsteinischen Gruppen und Zusammenhänge,
die sich an der Demo
beteiligt haben, auf, zu diesen antisemitisch motivierten Angriffen Stellung
zu beziehen.
In erster Linie sollte unsere Solidarität nun den drei GenosInnen gelten,
die kriminalisiert wurden. Wir fordern
eine öffentliche Aufarbeitung des Polizeieinsatzes, der dazu führte, dass
die drei Israel-solidarischen Antifas
verhaftet wurden sowie die sofortige Einstellung der Verfahren.
In diesem Sinne:
Solidarität mit Israel!
Nieder mit Deutschland!
Kein Fußbreit dem antisemitischen Mob!
/Autonome Antifa Nordfriesland//
//Februar 2004//
antifa.nf@firemail.de