//Presseerklärung //
6.Oktober 2004

bad weather [antifaschistische gruppe hamburg

Hein-Hoyer-Strasse 41 / 20359 Hamburg
http://www.antifa-hamburg.com
bad-weather@nadir.org



- Protest gegen die offiziellen Feierlichkeiten zum „Tag der Deutschen Einheit-“

Aus Anlass der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Erfurt, protestierten verschiedene antifaschistische Gruppen in der thüringischen Landeshauptstadt. An der von der Erfurter Antifa- Gruppe MILA26 organisierten Demonstration, unter dem Motto „Deutschland hassen!“, nahmen mehr als 300 Menschen teil. In ihrem Aufruf schrieben MILA26:

„Am 3. Oktober 2004 finden in Erfurt die bundesweiten Einheitsfeierlichkeiten statt. Dieser Tag steht wie kaum ein anderer für die Inszenierung einer selbstbewussten deutschen Nation. Was uns gegen diesen Festakt am Tag der deutschen Einheit auf die Straße treibt, ist der Hass auf die deutschen Zustände. Der Hass auf ein nationales Projekt, das seit jeher immer reaktionär und antimodern, antiliberal und antisemitisch war.“

Den kompletten Aufruf finden sie unter: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/aanb/antifanews/texte.html#aufruf

Neben der Demonstration gab es auch bei den Feierlichkeiten in der Erfurter Innenstadt Proteste gegen die Zumutungen des deutschnationalen Wahns. Von all den Veranstaltungen, welche teils mehr, teils weniger zu offenkundigen Zurschaustellungen deutscher Borniertheit gerieten, war die offizielle Präsentation der Bundesverteidigungsministeriums das Ziel unseres Protestes. Auf dem Erfurter Wenigemarkt stellte die Bundeswehr, vor ihrem Infozelt, einen Schützen-Panzer der, in Ex-Jugoslawien stationierten, deutschen KFOR Streitkräfte, zu Werbezwecken aus. Auf einem großen Globus konnten Interessierte nachvollziehen, wo die Bundeswehr aktiv ist. Wir wissen nicht ob irgendeinem der anwesenden Eltern des in unmittelbarer Nähe stattfindenden Kinderfestes mulmig bei dem Gedanken wurde, dass während ihre Kinder der Bühnenshow folgten im Hintergrund immer ein Panzer zu sehen war. Auch die Grußworte des Thüringer Ministerpräsidenten , Dieter Althaus, zum „Tag der Deutschen Einheit“ bekommen einen völlig neuen Sinn:

“Wenn im Mai dieses Jahres zehn europäische Staaten der EU beitreten konnten, war das eine unmittelbare Folge der epochalen Veränderungen, die 1989 ihren Anfang nahmen. Die politische Landkarte hat sich grundlegend verändert. Wir sind die erste Generation, für die Bruderkriege und Blockkonfrontation endgültig der Vergangenheit angehören. Wir sollten dies nicht unterschätzen. Als Leitwort für das große Fest haben wir deshalb ’15 Jahre Frieden und Freiheit für Europa’ gewählt.

Wie wahr! Die europäische Landkarte hat sich verändert. MILA26 schreiben im Aufruf zur Demonstration:

„Eine neue Qualität deutscher Vergangenheitsbewältigung stellte der 3. Jugoslawienkrieg innerhalb eines Jahrhunderts dar. Damit begründet, daß die Serben Konzentrationslager hätten, war dieser Krieg ein weiteres Mittel zur Relativierung der deutschen Vergangenheit. Gleichzeitig wurde dieser Krieg aber auch damit begründet, dass gerade die Deutschen eine besondere Verantwortung hätten, einen neuen Holocaust zu verhindern. Damit fand ein Paradigmenwechsel in der deutschen Außenpolitik statt. Deutschland durfte wieder Krieg führen und das vor allem nicht trotz, sondern wegen Auschwitz. Deutschland trat von nun an als geläutert auf und hatte scheinbar aus seiner Geschichte gelernt.“

Hamburger AntifaschistInnen enterten den Panzer und entrollten ein Transparent mit der Aufschrift: „Stalingrad! Wir danken der Roten Armee“. Es gelang ihnen kurzfristig die Propagandashow der Bundeswehr wirkungsvoll zu behindern. Daran konnte auch das heftige Eingreifen der Feldjäger nichts ändern. Nachdem die Protestierenden abgedrängt wurden, ist an einer weiteren exponierten Stelle, dem Erfurter Dom , das Transparent gezeigt wurden.

Dahingehen wo es weh tut! Deutsche Zustände angreifen!

bad-weather [antifaschistische gruppe hamburg] / oktober 2003

Sprecherin für die Gruppe: Carla McMannoman

Fotos der Aktion im Anhang >>>

bad weather ©[antifaschistische gruppe hamburg]